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Idun: Nordische Göttin der Jugend und der Unsterblichkeit

Idun war die nordische Göttin der Jugend und der UnsterblichkeitIn der nordischen Mythologie sind die Götter nicht von Natur aus unsterblich. Odin, Thor und die übrigen Asen altern wie Menschen, und nur eine einzige Gabe bewahrt sie vor Gebrechlichkeit und Verfall: die goldenen Äpfel der Göttin Idun. Wann immer die Götter älter werden, beißen sie in diese Früchte und werden wieder jung – und das bis zum Ragnarök, dem Untergang der Welt. Idun, die nordische Göttin der Jugend und der Unsterblichkeit, ist damit eine der stillsten und zugleich unentbehrlichsten Gestalten in Asgard. Ohne sie, so zeigt die berühmteste Geschichte um ihre Person, würden selbst die mächtigsten Götter binnen kurzer Zeit ergrauen und dahinsiechen.

Über die nordische Göttin Idun selbst berichten die Quellen nur wenig. Sie erscheint vor allem in einer einzigen großen Erzählung, in der sie vom Riesen Thjazi entführt und von Loki zurückgeholt wird, sowie in kurzen Erwähnungen in Dichtung und Prosa. Gerade diese Knappheit hat sie jedoch zu einer Projektionsfläche für Deutungen gemacht: als Göttin des Frühlings, als Hüterin der Lebenskraft und als nordisches Gegenstück zu den goldenen Äpfeln anderer Mythologien. Dieser Beitrag stellt die Göttin und ihre Äpfel vor, erzählt ihren Raub und fragt, was hinter dem populären Bild der goldenen Äpfel tatsächlich steckt.

Herkunft, Name und Quellen

Der Name Idun, altnordisch Iðunn, wird meist als „die Erneuernde“ oder „die Verjüngende“ gedeutet, auch wenn die genaue Herleitung umstritten ist. Snorri Sturluson beschreibt sie in der Prosa-Edda als Gemahlin des Bragi, des Gottes der Dichtkunst und Beredsamkeit. Sie verwahre in einem Kästchen die goldenen Äpfel, von denen die Götter essen müssten, wenn sie alt würden; dann würden sie wieder jung, und so werde es bleiben bis zum Ragnarök. Über ihre Eltern schweigen die älteren Quellen. Erst ein spätes, in seiner Entstehungszeit umstrittenes Gedicht bezeichnet sie als Wesen aus dem Geschlecht der Alben. Damit ist Idun eine Göttin, deren Bedeutung sich fast vollständig aus ihrer Aufgabe ergibt: der Bewahrung jener Jugend, ohne die die Ordnung der Götter nicht bestehen könnte.

Die wichtigste Quelle für ihren Mythos ist älter als Snorris Werk. Der norwegische Skalde Thjodolf von Hvinir verfasste um das Jahr 900 das Gedicht Haustlöng, in dem er die Bilder auf einem kunstvoll bemalten Schild beschreibt – darunter den Raub der Göttin Idun. Snorri griff diese Darstellung im dreizehnten Jahrhundert in seinem Lehrbuch der Dichtkunst, der Skáldskaparmál, auf und erzählte die Geschichte ausführlich in Prosa nach. Daneben erscheint die Göttin der Jugend Idun in der Lokasenna, dem eddischen Streitgedicht, in dem Loki die versammelten Götter verhöhnt. Die Bildsprache der Skalden, die Idun in kunstvollen Umschreibungen etwa als Hüterin der Äpfel oder als Gemahlin Bragis bezeichnet, ergänzt dieses schmale, aber aufschlussreiche Bild.

  • Name – Altnordisch Iðunn, meist gedeutet als „die Erneuernde“ oder „die Verjüngende“.
  • Gemahl – Bragi, der Gott der Dichtkunst und Beredsamkeit.
  • Aufgabe – Hüterin der Äpfel, die den Göttern ihre Jugend bewahren.
  • Kästchen – Behältnis, in dem sie die Äpfel nach Snorri bei sich verwahrt.
  • Hauptquellen – Das Skaldengedicht Haustlöng und die Prosa-Edda des Snorri Sturluson.

Die goldenen Äpfel der Jugend

Die Äpfel der Idun erfüllen in der nordischen Mythologie eine Aufgabe, die in anderen Religionen Nektar und Ambrosia, Göttertränke oder heilige Speisen übernehmen. Sie machen die Götter nicht von vornherein unsterblich, sondern halten den Alterungsprozess immer wieder auf. Darin zeigt sich ein charakteristischer Zug des nordischen Weltbildes: Auch die Götter sind keine zeitlosen Wesen, sondern abhängig, verletzlich und letztlich dem Untergang beim Ragnarök geweiht. Ihre Jugend ist kein Besitz, sondern ein Geschenk, das ständig erneuert werden muss – und das ihnen genommen werden kann. Gerade diese Abhängigkeit macht die Göttin der Jugend und Unsterblichkeit Idun so bedeutsam. Sie ist keine kämpferische Göttin und keine Herrscherin, doch ohne ihre Gabe wäre die gesamte Götterwelt dem Verfall preisgegeben.

Bemerkenswert ist, dass die mittelalterlichen Quellen die Äpfel der Göttin Idun nicht ausdrücklich als golden bezeichnen. Das altnordische Wort epli konnte zudem nicht nur Äpfel, sondern auch Früchte im Allgemeinen meinen. Golden sind dagegen die elf Äpfel, die Freyrs Bote Skirnir im eddischen Gedicht Skírnismál der Riesin Gerd als Brautgabe anbietet, und manche Forscher sehen darin eine Anspielung auf die Früchte der Idun. Das heute verbreitete Bild der goldenen Äpfel speist sich daher aus dieser Verbindung, aus dem Vergleich mit den goldenen Äpfeln der griechischen Hesperiden und aus der Kunst des neunzehnten Jahrhunderts. Dass Äpfel im Norden durchaus eine besondere Bedeutung haben konnten, zeigt das Osebergschiff, ein norwegisches Prunkgrab aus dem neunten Jahrhundert, in dem man einen Eimer mit Wildäpfeln fand.

Der Raub der Idun

1. Das verzauberte Mahl – Odin, Loki und Hönir können einen Ochsen nicht garen
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2. Der Adler – der Riese Thjazi fordert seinen Anteil, Loki bleibt an ihm haften
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3. Lokis Versprechen – er lockt Idun mit ihren Äpfeln aus Asgard
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4. Der Raub – Thjazi entführt Idun nach Thrymheim, die Götter ergrauen
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5. Die Rettung – Loki fliegt im Falkengewand der Freyja und verwandelt Idun in eine Nuss
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6. Das Feuer – der verfolgende Adler verbrennt an der Mauer Asgards

Nach der Skáldskaparmál des Snorri Sturluson und dem Skaldengedicht Haustlöng

Der Raub der Idun

Die Geschichte beginnt mit einer Reise von Odin, Loki und Hönir. Als die drei Götter einen Ochsen über dem Feuer garen wollen, wird das Fleisch einfach nicht gar. Ein Adler in einem Baum gibt sich als Ursache zu erkennen und verlangt seinen Anteil an der Mahlzeit; als er sich die besten Stücke nimmt, schlägt Loki mit einer Stange nach ihm. Doch die Stange bleibt am Körper des Vogels haften und Lokis Hände an der Stange, und der Adler schleift ihn über Steine und Gestrüpp, bis Loki um Gnade fleht. Der Adler, in Wahrheit der Riese Thjazi, lässt ihn erst frei, als Loki schwört, Idun mitsamt ihren Äpfeln aus Asgard herauszulocken. Zurück bei den Göttern erzählt Loki Idun von wundersamen Äpfeln in einem Wald und bittet sie, ihre eigenen zum Vergleich mitzubringen.

Kaum hat die Göttin Idun Asgard verlassen, stürzt Thjazi in Adlergestalt herab und entführt sie in seine Heimat Thrymheim. Ohne ihre Äpfel beginnen die Götter rasch zu altern: Sie werden grau und gebrechlich. In einer Versammlung stellen sie fest, dass Idun zuletzt mit Loki gesehen wurde, und drohen ihm mit Tod und Folter. Loki verspricht, sie zurückzuholen, leiht sich das Falkengewand der Freyja und fliegt nach Jötunheim. Da Thjazi gerade auf dem Meer fischt, findet er Idun allein, verwandelt sie in eine Nuss und fliegt mit ihr in den Klauen davon. Thjazi nimmt die Verfolgung auf, doch die Götter haben an der Mauer Asgards Späne aufgeschichtet und entzünden sie, sobald Loki vorüber ist. Die Federn des Adlers fangen Feuer, er stürzt zu Boden, und die Götter töten den Riesen innerhalb ihrer Tore.

Skadis Rache und die Augen des Thjazi

Der Tod des Thjazi blieb nicht ohne Folgen. Seine Tochter Skadi legte ihre Rüstung an und zog bewaffnet nach Asgard, um ihren Vater zu rächen. Die Götter boten ihr einen Ausgleich an: Sie durfte sich einen Gemahl unter ihnen wählen, allerdings nur nach dem Anblick der Füße. Skadi hoffte auf den schönen Balder, wählte die schönsten Füße und erhielt so den Meeresgott Njörd. Zudem musste man sie zum Lachen bringen, was Loki mit einer derben Posse gelang. Als weitere Sühne warf Odin nach Snorris Bericht die Augen des Thjazi an den Himmel, wo sie seither als Sterne leuchten. So knüpft die Geschichte vom Raub der Idun mehrere Erzählstränge der nordischen Mythologie zusammen und erklärt nebenbei die ungleiche Ehe zwischen der Riesin aus den Bergen und dem Gott des Meeres.

Gestalt Rolle im Mythos Quelle und Bedeutung
Idun Hüterin der Äpfel der Jugend Prosa-Edda, Haustlöng; Voraussetzung der Götterjugend
Bragi Gemahl der Idun Gott der Dichtkunst und Beredsamkeit
Thjazi Riese, entführt Idun in Adlergestalt Seine Augen werden als Sterne an den Himmel gesetzt
Loki Lockt Idun hinaus und holt sie zurück Verwandelt Idun auf der Flucht in eine Nuss
Freyja Leiht Loki ihr Falkengewand Ermöglicht die Rettung aus Jötunheim
Skadi Tochter Thjazis, fordert Sühne Heirat mit dem Meeresgott Njörd
Skirnir Bietet der Riesin Gerd elf goldene Äpfel an Skírnismál, mögliche Anspielung auf Iduns Äpfel

Idun in der Lokasenna und in späterer Überlieferung

In der Lokasenna, dem Streitgedicht der Poetischen Edda, zeigt sich die nordische Göttin Idun von einer anderen Seite. Als Loki beim Gelage des Meeresriesen Ägir die Götter beleidigt und ihr Gemahl Bragi ihn zurechtweisen will, versucht Idun, den Streit zu schlichten, und bittet Bragi, Loki nicht weiter herauszufordern. Loki antwortet mit einer bösen Unterstellung: Sie habe ihre Arme um den Mörder ihres eigenen Bruders geschlungen. Auf welche Geschichte er damit anspielt, ist unbekannt – ein Hinweis darauf, dass es einst weitere Erzählungen über die nordische Göttin Idun gab, die verloren gegangen sind. Ein deutlich späteres Gedicht, Hrafnagaldr Óðins, schildert, wie Idun vom Weltenbaum in die Tiefe sinkt und dort in ein Wolfsfell gehüllt wird. Wann dieses rätselhafte Werk entstand, ist umstritten; viele Forscher halten es für eine Dichtung der frühen Neuzeit.

Deutungen und Nachleben

Die Forschung hat Idun auf unterschiedliche Weise gedeutet. Eine verbreitete Interpretation sieht in ihrem Raub ein Bild für den Wechsel der Jahreszeiten: Die Entführung der Göttin der Jugend in das kalte Reich der Riesen entspräche dem Winter, ihre Rückkehr dem Frühling, in dem die Natur sich verjüngt – ähnlich wie beim griechischen Mythos von Persephone. Andere betonen den Vergleich mit Speisen der Unsterblichkeit in anderen Kulturen, von Nektar und Ambrosia der Griechen über die goldenen Äpfel der Hesperiden bis zum Unsterblichkeitstrank Amrita der indischen Überlieferung. Solche Parallelen zeigen, wie verbreitet die Vorstellung war, dass selbst Götter auf eine besondere Nahrung angewiesen sind, um ihre Lebenskraft zu bewahren. Ob hinter Idun ein alter Fruchtbarkeitskult steht, lässt sich mangels Quellen jedoch nicht sicher sagen.

Im neunzehnten Jahrhundert wurde die Göttin der Jugend Idun zu einer beliebten Gestalt der romantischen Kunst, die das Motiv der goldenen Äpfel bereitwillig aufgriff. Am wirkungsvollsten prägte Richard Wagner das Bild: In seiner Oper Das Rheingold verschmolz er Idun mit der Göttin Freyja zu der Figur Freia, die als Hüterin goldener Äpfel die Jugend der Götter bewahrt. Als die Riesen Fasolt und Fafner Freia als Lohn für den Bau der Götterburg fortführen, beginnen die Götter auf der Bühne sichtbar zu altern – eine deutliche Anleihe beim Raub der Idun. Maler wie James Doyle Penrose stellten die Göttin mit ihren Früchten dar, und selbst die Planetenforschung erinnert an sie: Ein Vulkan auf der Venus trägt den Namen Idunn Mons. So lebt die stille Hüterin der Jugend in Musik, Malerei und Wissenschaft fort.

Quellen und weiterführende Literatur

Häufige Fragen zur Göttin der Jugend Idun

Wer war die Göttin Idun?

Idun war in der nordischen Mythologie die Göttin der Jugend und der Unsterblichkeit und die Gemahlin des Dichtergottes Bragi. Nach Snorri Sturluson verwahrte sie in einem Kästchen die Äpfel, von denen die Götter essen mussten, wenn sie alterten, um wieder jung zu werden – und zwar bis zum Ragnarök.

Waren Iduns Äpfel golden?

Die mittelalterlichen Quellen bezeichnen Iduns Äpfel nicht ausdrücklich als golden. Das Bild der goldenen Äpfel geht vor allem auf die elf goldenen Äpfel im Gedicht Skírnismál zurück, die manche Forscher mit Idun verbinden, sowie auf den Vergleich mit den Hesperiden und auf Darstellungen des 19. Jahrhunderts, etwa in Wagners Rheingold.

Warum wurde Idun entführt?

Der Riese Thjazi zwang Loki in Gestalt eines Adlers, ihm Idun mitsamt ihren Äpfeln auszuliefern. Loki lockte die Göttin aus Asgard, und Thjazi entführte sie nach Thrymheim. Erst als die Götter alterten und Loki bedrohten, holte dieser sie im Falkengewand der Freyja zurück, wobei er Idun in eine Nuss verwandelte.

Was geschah mit den Göttern ohne Idun?

Ohne Iduns Äpfel begannen die Götter rasch zu altern: Sie wurden grau und gebrechlich. Die Episode zeigt, dass die nordischen Götter nicht von Natur aus unsterblich waren, sondern auf Iduns Gabe angewiesen blieben, um ihre Jugend bis zum Ragnarök zu bewahren.

Über diesen Artikel

Dieser Artikel basiert auf primären Quellen der nordischen Literatur, insbesondere dem Skaldengedicht Haustlöng des Thjodolf von Hvinir, Snorri Sturlusons Prosa-Edda mit Gylfaginning und Skáldskaparmál sowie den eddischen Gedichten Lokasenna und Skírnismál, ergänzt durch das späte Gedicht Hrafnagaldr Óðins, archäologische Funde wie das Osebergschiff und anerkannte Standardwerke der nordischen Religionsgeschichte. Die Deutung des Namens, die Frage nach goldenen Äpfeln und die Datierung späterer Dichtungen werden in der Forschung unterschiedlich beurteilt. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Stand der Informationen: Juni 2026