Mit seinem Hammer Mjölnir, seinem roten Bart und seinem von Ziegenböcken gezogenen Wagen ist Thor die volkstümlichste Gestalt der nordischen Mythologie. Als Donnergott schützte er Götter und Menschen vor den Riesen, schenkte Regen und Fruchtbarkeit und wurde in der Wikingerzeit wohl häufiger verehrt als jeder andere Gott. Doch wer waren seine Eltern, aus welchem Geschlecht stammte er, und wer setzte sein Erbe fort? Der Stammbaum des Thor gibt darauf eine Antwort, die manche Überraschung bereithält. Denn ausgerechnet der größte Feind der Riesen trug selbst viel Riesenblut in sich. Seine Vorfahren reichen über Odin bis zu den Urwesen der Schöpfung und über seine Mutter Jörd bis zur Nacht, einer Riesentochter. Seine Kinder wiederum sind nach der Überlieferung dazu bestimmt, den Weltuntergang zu überleben und den Hammer ihres Vaters in einer neuen Welt zu tragen.
Der Stammbaum des Thor ist, wie alle Göttergenealogien des Nordens, nicht in einer einzigen Quelle festgehalten. Die wichtigsten Zeugnisse sind die Prosa-Edda des Isländers Snorri Sturluson aus dem 13. Jahrhundert, die Lieder der Lieder-Edda und Strophen der Skalden, deren dichterische Umschreibungen oft Familienbeziehungen enthalten. Dieser Beitrag führt durch die Vorfahren des Donnergottes Thor, von seinem Vater Odin über seine Mutter Jörd bis zu den Großeltern Nott und Annar und den Urahnen Buri und Borr. Danach stellt er Thors Geschwister vor, seine Gemahlin Sif und die Riesin Jarnsaxa. Ausführlich geht es um die Kinder des Thor: seine Tochter Thrud, seine Söhne Magni und Modi und seinen Stiefsohn Ullr. Auch sein Haushalt mit Dienern und Ziegenböcken kommt zur Sprache. Zum Schluss zeigt der Beitrag eine überraschende Variante aus Snorris Vorrede und erklärt die Bedeutung des Stammbaums in der nordischen Mythologie.
Thor im Überblick: Der Donnergott und seine Familie
Der Name Thor, altnordisch Þórr, bedeutet schlicht „Donner“. Im althochdeutschen Raum hieß der Gott Donar, im Altenglischen Thunor, und die Wochentage Donnerstag und Thursday tragen bis heute seinen Namen. Thor galt als der älteste und stärkste Sohn Odins. Er wohnte in der gewaltigen Halle Bilskirnir in Thrudvang, dem „Feld der Kraft“, und fuhr in einem Wagen, den die Böcke Tanngnjost und Tanngrisnir zogen. Mit seinem Hammer Mjölnir, seinem Kraftgürtel und seinen eisernen Handschuhen bekämpfte er die Riesen, die die Ordnung der Welt bedrohten. Die Skalden umschrieben ihn gern über seine Familie: als Sohn Odins und der Jörd, als Gatten der Sif, als Vater von Magni, Modi und Thrud und als Stiefvater des Ullr. Schon diese dichterischen Beinamen zeigen, wie fest der Donnergott Thor in ein Netz von Verwandtschaften eingebunden war. Dieses Netz bildet den Kern seines Stammbaums.
- Vater – Odin, der Göttervater.
- Mutter – Jörd, die Erde, auch Fjörgyn oder Hlodyn genannt.
- Großeltern mütterlicherseits – Nott, die Nacht, und Annar.
- Großeltern väterlicherseits – Borr und die Riesin Bestla.
- Halbgeschwister – Unter anderem Balder, Höd, Vidar, Vali und Hermod.
- Partnerinnen – Seine Gemahlin Sif sowie die Riesin Jarnsaxa.
- Kinder – Thrud, Magni und Modi; dazu der Stiefsohn Ullr.
Die Vorfahren des Thor
Der Vater: Odin
An der Spitze der Vorfahren des Thor steht sein Vater Odin, der Göttervater und Herr von Asgard. Snorri Sturluson nennt Thor ausdrücklich den ersten und ältesten Sohn Odins. Vater und Sohn könnten unterschiedlicher kaum sein. Odin ist der weise, listige und oft unberechenbare Gott der Dichtkunst, der Magie und der Toten, der sich in Verkleidungen unter die Menschen mischt. Thor dagegen ist geradlinig, ungestüm und verlässlich, ein Beschützer, der Probleme lieber mit dem Hammer als mit Worten löst. Im Eddalied Hárbarðsljóð prallen diese Gegensätze sogar aufeinander: Ein grauer Fährmann, hinter dem sich Odin verbirgt, verspottet Thor am Ufer eines Sundes und verweigert ihm die Überfahrt. Trotz solcher Spannungen blieb Thor seinem Vater treu ergeben. Beim Weltuntergang Ragnarök kämpfen beide gegen die Mächte des Chaos, wenn auch an verschiedenen Fronten und gegen verschiedene Gegner.
Die Mutter: Jörd, die Erde
Thors Mutter war Jörd, deren Name schlicht „Erde“ bedeutet. Sie verkörperte das Land selbst, und es passt gut zu einem Gott, der mit Regen und Gewitter die Felder fruchtbar machte, dass er ein Sohn der Erde war. In der Dichtung erscheint Jörd auch unter anderen Namen. Die Völuspá nennt Thor den Sohn der Hlodyn und den Sohn der Fjörgyn. Der Name Fjörgyn wird oft mit alten Wörtern für Berg oder Eichenwald in Verbindung gebracht, und manche Forscher sehen zudem eine Verwandtschaft mit dem baltischen Donnergott Perkunas. Jörd war keine Asin im engeren Sinn, sondern stammte aus dem Geschlecht der Riesen. Snorri überliefert sogar eine verblüffende Angabe: Jörd sei zugleich Odins Tochter und seine Frau gewesen. Diese Aussage widerspricht allerdings seinen eigenen Angaben über Jörds Eltern. Sie zeigt, wie schwer es ist, die Vorfahren des Thor widerspruchsfrei zu ordnen.
Die Großeltern mütterlicherseits: Nott und Annar
Nach Snorri war Jörd eine Tochter der Nott, der Nacht, und eines Mannes namens Annar. Nott wiederum war die Tochter des Riesen Narfi, der in Jötunheim lebte. Sie war dunkel, wie es ihrem Geschlecht entsprach, und dreimal verheiratet. Mit ihrem ersten Mann Naglfari hatte sie einen Sohn namens Aud, mit Annar die Tochter Jörd und mit dem Asen Delling schließlich den Sohn Dag, den Tag. Damit waren die Nacht Thors Großmutter und der Tag sein Halbonkel. Odin gab Nott und Dag später Pferde und Wagen und setzte sie an den Himmel, wo sie abwechselnd um die Erde fahren. Diese Genealogie verbindet Thor mit den großen Naturmächten: mit der Erde durch seine Mutter, mit Nacht und Tag durch deren Familie. Zugleich zeigt sie, dass die Vorfahren des Thor mütterlicherseits ganz überwiegend Riesen waren – eine bemerkenswerte Herkunft für den größten Riesenbezwinger der nordischen Mythologie.
Die Ahnen väterlicherseits
Auch über seinen Vater führen die Vorfahren des Thor zu den Riesen. Odin war ein Sohn des Gottes Borr und der Riesin Bestla, der Tochter des Riesen Bölthorn. Borr wiederum war ein Sohn des Buri, des ersten Gottes, den die Urkuh Audhumbla aus salzigen, bereiften Steinen freigeleckt hatte. In derselben Urzeit entstand auch der Urriese Ymir, den Odin und seine Brüder später töteten, um aus seinem Körper die Welt zu formen. Rechnet man diese Linien zusammen, so stammte Thor über seine Großmutter Bestla, seine Mutter Jörd und deren Mutter Nott zu einem großen Teil von Riesen ab. Der Stammbaum des Thor offenbart damit eine tiefe Ironie: Der Gott, dessen Hammer unzählige Riesen erschlug, war mit ihnen eng verwandt. Diese Verflechtung entspricht einem Grundzug der nordischen Mythologie. Götter und Riesen sind nicht nur Feinde, sondern auch Verwandte, Ehepartner und Ahnen.
Die Geschwister des Thor
Als ältester Sohn Odins hatte Thor zahlreiche Halbgeschwister, denn sein Vater zeugte mit verschiedenen Frauen viele Kinder. Zu ihnen gehörte Balder, der strahlende Sohn Odins und Friggs, dessen Tod die Götterwelt erschütterte, und dessen blinder Bruder Höd, der ihn ahnungslos tötete. Vidar, der schweigsame Sohn der Riesin Grid, galt als der Stärkste unter den Göttern nach Thor. Vali, der Sohn der Rind, wurde geboren, um Balder zu rächen, und Hermod ritt nach Balders Tod in das Totenreich. Je nach Quelle zählen auch Bragi, der Gott der Dichtkunst, und Tyr, der einarmige Gott des Kampfes, zu Odins Söhnen und damit zu Thors Halbbrüdern. Über Jörds Familie kommen zudem Aud und Dag als Halbonkel hinzu. Mit seinen Geschwistern verbanden Thor gemeinsame Kämpfe und gemeinsame Verluste. Beim Leichenbrand Balders soll Thor den Scheiterhaufen mit seinem Hammer geweiht und im Zorn einen Zwerg in die Flammen gestoßen haben.
Stammbaum des Thor
Väterliche Linie
↓
Borr ⚭ Bestla (Riesin, Tochter Bölthorns)
↓
Odin – Göttervater
Mütterliche Linie
↓
Nott (Nacht) ⚭ Annar
↓
Jörd – Erde (Fjörgyn, Hlodyn)
Thrud
Tochter mit Sif · „Kraft“
Magni
Sohn mit Jarnsaxa · „der Starke“
Modi
Sohn, Mutter unbekannt · „der Mutige“
Ullr
Stiefsohn, Sohn der Sif
Nach Ragnarök erben Magni und Modi den Hammer Mjölnir – nach Prosa-Edda und Lieder-Edda
Sif und Jarnsaxa: Die Frauen des Donnergottes
Thors Gemahlin war Sif, eine Göttin mit prächtigem goldenem Haar. Eine bekannte Erzählung Snorris berichtet, wie Loki ihr dieses Haar aus Bosheit abschnitt. Der erzürnte Thor drohte, ihm alle Knochen zu brechen, bis Loki versprach, Ersatz zu beschaffen. Die Zwerge, die Söhne Ivaldis, schmiedeten daraufhin Haar aus Gold, das auf Sifs Kopf weiterwuchs wie echtes. Bei derselben Gelegenheit entstanden in einem Wettstreit der Zwerge weitere Kostbarkeiten der Götter, darunter Thors Hammer Mjölnir. Sifs goldenes Haar wird oft als Bild für reifes Getreide gedeutet, was gut zu einem Gott passt, der Regen und Fruchtbarkeit brachte. Neben Sif hatte Thor eine Beziehung zu der Riesin Jarnsaxa, deren Name etwa „Eisenmesser“ bedeutet. Sie wurde die Mutter seines Sohnes Magni. Bemerkenswert ist, dass Jarnsaxa in einem anderen Eddalied auch unter den neun Müttern des Gottes Heimdall erscheint; ob es sich um dieselbe Gestalt handelt, ist unklar.
Die Kinder des Thor
Thrud: Die Tochter der Kraft
Die Tochter des Thor und der Sif hieß Thrud, „die Kraft“ oder „die Stärke“. Ihr Name klingt im Namen von Thors Reich Thrudvang an, dem „Feld der Kraft“. Über Thrud selbst ist nur wenig bekannt, doch einige Andeutungen lassen verlorene Geschichten erahnen. Im Eddalied Alvíssmál erscheint der Zwerg Alvis, der „Allwissende“, vor Thor und verlangt dessen Tochter zur Frau, die ihm in Thors Abwesenheit versprochen worden sei. Thor willigt scheinbar ein, wenn der Zwerg ihm zuvor eine Reihe von Fragen beantwortet. So hält er Alvis mit immer neuen Fragen hin, bis die Sonne aufgeht und der Zwerg im Tageslicht zu Stein erstarrt. Meist wird die umworbene Tochter mit Thrud gleichgesetzt. Eine Dichterumschreibung nennt zudem den Riesen Hrungnir „Thruds Dieb“, was auf eine verlorene Entführungsgeschichte hindeutet. Der Name Thrud erscheint schließlich auch in einer Liste der Walküren. Unter den Kindern des Thor ist sie damit die geheimnisvollste Gestalt.
Magni: Der Starke
Magni, „der Starke“, war der Sohn Thors und der Riesin Jarnsaxa. Seine bekannteste Tat vollbrachte er schon im Alter von drei Nächten. Thor hatte im Zweikampf den Riesen Hrungnir besiegt, dessen Kopf aus Stein bestand, doch der stürzende Riese war so gefallen, dass sein gewaltiges Bein auf Thors Hals lag. Keiner der Götter konnte es anheben. Da kam der kleine Magni herbei, warf das Bein mühelos beiseite und sagte, wäre er früher gekommen, hätte er den Riesen mit der bloßen Faust erschlagen. Zum Dank schenkte Thor ihm Hrungnirs schnelles Pferd Gullfaxi, die „Goldmähne“. Odin tadelte seinen Sohn daraufhin, er hätte das Pferd lieber seinem Vater als dem Sohn einer Riesin geben sollen. Die Episode zeigt, dass Magni die außergewöhnliche Kraft seines Vaters geerbt hatte. Sie deutet zugleich an, welche Rolle die Kinder des Thor nach dem Weltuntergang spielen sollten.
Modi und der Stiefsohn Ullr
Thors zweiter Sohn hieß Modi, „der Mutige“ oder „der Zornige“. Seine Mutter wird in den Quellen nicht genannt, und eigene Abenteuer sind von ihm nicht überliefert. Seine Bedeutung liegt ganz in der Zukunft. Nach dem Eddalied Vafthrudnismál werden Modi und Magni nach dem Untergang der Welt den Hammer Mjölnir erben. Bei Ragnarök tötet Thor die Midgardschlange, geht noch neun Schritte und stirbt an ihrem Gift. Doch seine Söhne überleben und tragen sein Erbe in die erneuerte Welt. Zum Stammbaum von Thor gehörte außerdem Ullr, der Gott der Jagd, des Winters und des Bogens. Er war ein Sohn der Sif aus einer früheren Verbindung und damit Thors Stiefsohn; wer sein leiblicher Vater war, verraten die Quellen nicht. Ullr galt als schöner Krieger und vortrefflicher Skiläufer, den man im Zweikampf anrufen sollte. So vereinte der Haushalt des Donnergottes Thor Kraft, Mut und Jagdkunst.
Thors Haushalt: Ziegen, Diener und Pflegeeltern
Zum weiteren Umfeld des Thor gehörten Gestalten, die nicht mit ihm verwandt waren, aber fest zu seinem Haushalt zählten. Seine beiden Ziegenböcke Tanngnjost und Tanngrisnir zogen nicht nur seinen Wagen, sondern dienten ihm auch als Nahrung: Thor konnte sie schlachten und am nächsten Morgen mit seinem Hammer wieder zum Leben erwecken. Bei einer solchen Gelegenheit spaltete ein Bauernsohn namens Thjalfi einen Knochen, um an das Mark zu gelangen, und am Morgen lahmte einer der Böcke. Zur Buße musste der Bauer Thor seine beiden Kinder Thjalfi und Röskva überlassen, die fortan als Diener bei ihm lebten. Thjalfi begleitete Thor auf vielen Fahrten und erwies sich als ausgezeichneter Läufer. Dichterumschreibungen nennen Thor außerdem den Pflegesohn des Vingnir und der Hlora. Pflegeeltern spielten in der nordischen Gesellschaft eine wichtige Rolle, und nach dieser Überlieferung wuchs auch Thor bei ihnen auf.
| Name | Verwandtschaft zu Thor | Rolle und Bedeutung |
|---|---|---|
| Buri | Urgroßvater väterlicherseits | Urahn der Götter, von Audhumbla freigeleckt |
| Borr und Bestla | Großeltern väterlicherseits | Gott und Riesin, Eltern Odins |
| Odin | Vater | Göttervater; Thor ist sein ältester Sohn |
| Jörd (Fjörgyn, Hlodyn) | Mutter | Erdgöttin aus dem Geschlecht der Riesen |
| Narfi | Urgroßvater mütterlicherseits | Riese in Jötunheim |
| Nott und Annar | Großeltern mütterlicherseits | Die Nacht und ihr zweiter Gemahl |
| Aud und Dag | Halbonkel | Söhne der Nott; Dag verkörpert den Tag |
| Balder, Höd, Vidar, Vali, Hermod | Halbbrüder | Söhne Odins mit verschiedenen Müttern |
| Sif | Gemahlin | Göttin mit goldenem Haar |
| Jarnsaxa | Partnerin | Riesin, Mutter Magnis |
| Thrud | Tochter | „Die Kraft“; vom Zwerg Alvis umworben |
| Magni | Sohn | „Der Starke“; Erbe Mjölnirs |
| Modi | Sohn | „Der Mutige“; Erbe Mjölnirs |
| Ullr | Stiefsohn | Gott der Jagd und des Winters, Sohn der Sif |
| Thjalfi und Röskva | Diener | Bauernkinder als Buße für den lahmen Bock |
| Vingnir und Hlora | Pflegeeltern | Nur in Dichterumschreibungen und Snorris Vorrede |
Varianten: Thor in Snorris Vorrede
Eine völlig andere Fassung des Stammbaums des Thor findet sich in der Vorrede, die Snorri seiner Edda voranstellte. Dort deutet er die alten Götter als berühmte Menschen der Vorzeit, eine damals verbreitete gelehrte Erklärung. Thor erscheint als Tror, ein Enkel des trojanischen Königs Priamos, der in Thrakien bei einem Herzog namens Loricus aufwuchs. Er heiratete eine Seherin namens Sibil, in der man Sif erkennen soll, und zeugte mit ihr einen Sohn namens Loridi. Über viele Generationen führt Snorri von diesem Sohn bis zu Voden, also Odin. In dieser Fassung ist Thor somit nicht Odins Sohn, sondern sein ferner Vorfahr. Die Vorrede verfolgte offenbar das Ziel, die heidnischen Götter mit der antiken Geschichte zu verbinden und den nordischen Königen eine ehrwürdige Herkunft zu geben. Für die Mythen selbst ist sie wenig aussagekräftig. Sie zeigt aber, wie frei mittelalterliche Gelehrte mit den Vorfahren und Kindern der alten Götter umgingen.
Die Bedeutung des Stammbaums
Der Stammbaum des Thor spiegelt die Rolle des Donnergottes in der nordischen Mythologie auf eindrucksvolle Weise. Über seine Vorfahren ist er mit Himmel, Erde, Nacht und Tag verbunden und trägt das Erbe von Göttern und Riesen zugleich in sich. Über seine Kinder reicht seine Kraft über den Weltuntergang hinaus, denn Magni und Modi werden Mjölnir in die neue Welt tragen. Dass seine Söhne „Stärke“ und „Mut“ heißen und seine Tochter „Kraft“, zeigt, wofür der Donnergott Thor stand. Seine Beliebtheit lässt sich bis heute ablesen. In der Wikingerzeit trugen viele Menschen kleine Hammeramulette, und zahlreiche Namen wie Thorstein oder Thorolf leiteten sich von ihm ab. Im deutschen Sprachraum erinnert der Donnerstag an Donar, dessen heilige Eiche bei Geismar der Missionar Bonifatius im Jahr 723 fällen ließ. So verbindet der Stammbaum des Thor Mythos, Sprache und Geschichte bis in unsere Gegenwart.
Quellen und weiterführende Literatur
Häufige Fragen zum Stammbaum des Thor
Wer waren die Eltern des Thor?
Die Eltern des Thor waren der Göttervater Odin und Jörd, die Göttin der Erde, die in der Dichtung auch Fjörgyn oder Hlodyn heißt. Nach Snorri Sturluson war Thor der älteste Sohn Odins. Jörd stammte aus dem Geschlecht der Riesen, ihre Mutter war Nott, die Nacht.
Welche Kinder hatte Thor?
Thor hatte drei Kinder: die Tochter Thrud mit seiner Gemahlin Sif, den Sohn Magni mit der Riesin Jarnsaxa und den Sohn Modi, dessen Mutter nicht überliefert ist. Hinzu kommt sein Stiefsohn Ullr, ein Sohn der Sif. Magni und Modi sollen nach dem Weltuntergang Ragnarök den Hammer Mjölnir erben.
Hatte Thor Riesen unter seinen Vorfahren?
Ja. Thors Großmutter väterlicherseits war die Riesin Bestla, und seine Mutter Jörd stammte ebenfalls von Riesen ab, denn ihre Mutter Nott war die Tochter des Riesen Narfi. Der größte Bezwinger der Riesen in der nordischen Mythologie war damit selbst zu einem großen Teil mit ihnen verwandt.
Wer war die Frau des Donnergottes Thor?
Die Gemahlin des Donnergottes Thor war Sif, eine Göttin mit goldenem Haar. Nachdem Loki ihr das Haar abgeschnitten hatte, schmiedeten Zwerge ihr neues Haar aus Gold. Neben Sif hatte Thor eine Beziehung zur Riesin Jarnsaxa, der Mutter seines Sohnes Magni.
Über diesen Artikel
Dieser Artikel stützt sich auf die altnordischen Quellen zum Stammbaum des Thor, insbesondere Snorri Sturlusons Prosa-Edda mit Vorrede, Gylfaginning und Skáldskaparmál, die Eddalieder Völuspá, Hárbarðsljóð, Alvíssmál, Vafthrudnismál und Hyndluljóð sowie überlieferte Skaldenstrophen mit ihren dichterischen Umschreibungen. Hinzu kommen die Lebensbeschreibung des Bonifatius und anerkannte Standardwerke zur nordischen und germanischen Religionsgeschichte. Da die Quellen erst im christlichen Mittelalter aufgezeichnet wurden, sind manche Angaben zu Thors Vorfahren und Kindern widersprüchlich oder nur bruchstückhaft überliefert. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Stand der Informationen: Juni 2026
